Manfred George

Manfred George in seinem Büro, vermutlich in den 1950er Jahren (Foto: Manfred George, Leo Baeck Institute, F 13614.)

2026 konnten acht Bücher aus der Bibliothek von Manfred George zurückgegeben werden. Die Restitution erfolgte gemeinsam mit der Universitätsbiblithek der Freien Universität (FU) Berlin, die ihrerseits ein weiteres Buch zurückgeben konnte.

Anhand der in den Büchern enthaltenen Autogramme „Manfred Georg“ und in einem Fall „Manfred Georg Cohn“ konnte über einen Unterschriftenvergleich eindeutig der Journalist Manfred George als vormaliger Eigentümer identifiziert werden.

Zwei der Bücher stammen nachweislich aus einem Ankauf von 1943, bei dem die Berliner Stadtbibliothek (BStB) ~40.000 Bücher aus den letzten Wohnungen der deportierten Berliner Jüdinnen und Juden von der Städtischen Pfandleihanstalt Berlin bezog. Etwa 20.000 dieser Bücher verkaufte die BStB direkt an verschiedene Berliner Institutionen, Personen aus dem Bereich des Magistrats und an Buchhändler*innen weiter. Bis zum 20. April 1945 arbeitete die Bibliothek knapp 2.000 der übrigen Bücher ein, und führte hierfür ein eigenes „Zugangsbuch J“. Zumindest Teile der übrigen 18.000 Bücher wurden nach Kriegsende als „Geschenke“ eingearbeitet, häufig mit den Lieferantenangaben „Kulturamt“ oder „Bücherlager“. Die übrigen von der Zentral- und Landesbibliothek Berlin (ZLB) restituierten Bücher stammen somit höchstwahrscheinlich ebenfalls aus dem Ankauf von der Städtischen Pfandleihanstalt Berlin. Zum Zugangsweg des Bandes, der in der Universitätsbibliothek der FU Berlin identifiziert wurde, gibt es bislang keine Informationen.

Manfred George (früher Manfred Georg, geboren als Manfred Georg Cohn) wurde am 22. Oktober 1893 in Berlin geboren. Seine Eltern waren der aus Prenzlau in der Uckermark stammende Kaufmann Carl Cohn (1854–1936) und die aus Breslau stammende Felicia Eleonore Sachs (1861–1907). Ihr erster Sohn Fritz Eugen Cohn war im Januar 1891 im Alter von nur zwei Monaten verstorben.

Manfred George besuchte in Berlin das Friedrichs-Gymnasium, das er 1912 mit dem Abitur abschloss. Anschließend studierte er in Berlin, Greifswald und Genf Jura. Im Ersten Weltkrieg meldete er sich freiwillig als Pfleger, wurde 1915 schwer verwundet und aus dem Militärdienst entlassen. 1916 konnte er sein Studium in Greifswald mit Promotion abschließen. Bereits in seiner Studienzeit hatte er für die Deutsche Montagszeitung gearbeitet und ein Volontariat bei der B. Z. am Mittag begonnen. Ab 1917 war er Redakteur für verschiedene Zeitungen, u.a. die Berliner Morgenpost, die Berliner Allgemeine Zeitung, die Berliner Abendpost und die Vossische Zeitung in Breslau.

Am 8. April 1920 heiratete Manfred George in Berlin Johanna („Hanna“) Dorothea Simon. Diese war am 9. November 1897 in Charlottenburg als Tochter des Bankiers Ludwig R. Simon (geb. am 2. Februar 1863 in Berlin) und der Bianca Simon geb. Grünfeld (geb. am 3. Oktober 1873 in Landeshut, Schlesien) geboren worden. Manfred und Hanna George hatten zwei Kinder: den am 27. März 1921 in Berlin geborenen Franz und die am 18. Februar 1927 ebenfalls in Berlin geborene Renate Judith.

Manfred George war als Pazifist Mitglied der Deutschen Liga für Menschenrechte und engagierte sich in der Nie-wieder-Krieg-Bewegung und der Deutschen Friedensgesellschaft. Er stand auch der zionistischen Bewegung in Deutschland nahe und veröffentlichte 1932 eine Biographie über Theodor Herzl. George war vielseitig journalistisch und publizistisch tätig. Er arbeitete abwechselnd für den Ullstein- und den Mosse-Verlag, war Theaterkritiker, schrieb Hörspiele und war Mitarbeiter der Weltbühne. 1924 hatte er u.a. mit Carl von Ossietzky die Republikanische Partei Deutschlands (RDP) gegründet, die sich allerdings im selben Jahr wieder auflöste.

Im nationalsozialistischen Deutschland war die Familie von Manfred George als jüdisch verfolgt. Nach der Machtübergabe 1933 floh die Familie nach Prag. George war auch hier journalistisch tätig, u.a. für die Emigrantenzeitung Prager Montagsblatt, das Prager Tagblatt und als Korrespondent für das Pariser Tageblatt und die Basler Nationalzeitung. Ab Mitte 1936 war er Chefredakteur der Jüdischen Revue.

1938 wurde George die deutsche Staatsbürgerschaft entzogen. Er floh über Ungarn, Jugoslawien, Italien, die Schweiz und Frankreich schließlich in die Vereinigten Staaten, wo er am 24. September 1938 gemeinsam mit Hanna New York erreichte. Frank und Renate waren zu diesem Zeitpunkt in Kent, England. Sie konnten ihren Eltern bis spätestens 1940 folgen. Hannas Eltern hingegen wurden beide Opfer der Shoah. Bianca Simon geb. Grünfeld wurde am 13. Januar 1942 in das Ghetto Riga deportiert und zu einem unbekannten Zeitpunkt ermordet. Ludwig R. Simon wurde am 8. September 1942 in das KZ Theresienstadt deportiert und dort am 23. Dezember 1942 ermordet.

In den USA änderte Manfred seinen Nachnamen in George, Hanna ihren Vornamen in Jeanette, Franz den seinen in Frank und Renate den ihren in Renée. Manfred George war in New York ab März 1939 Chefredakteur des Aufbau, dessen Auflage er verzehnfachen und den er zu der bedeutendsten deutschsprachigen Exilzeitung entwickeln konnte. Er leitete den Aufbau bis zu seinem Tode am 30. Dezember 1965 in New York. Jeanette Hanna George folgte ihm am 30. April 1987.

Weiterführende Informationen

  • Borrmann, Jennifer / Vordermayer, Thomas, „George, Manfred“ in: NDB-online, veröffentlicht am 01.07.2025, (online: https://www.deutsche-biographie.de/gnd121978281.html, letzter Zugriff am 2. Juni 2026)
  • Röder, Werner und Strauss, Herbert A. (Hrsg.): Biographisches Handbuch der deutschsprachigen Emigration nach 1933. Band 1: Politik, Wirtschaft, Öffentliches Leben. München, 1980, S. 217f.
  • Reichshandbuch der Deutschen Gesellschaft : Das Handbuch der Persönlichkeiten in Wort und Bild. (Erster Band : A–K), Berlin, 1930. S. 534
  • Stolpersteine in Berlin: Ludwig R. Simon