Familie Hartbrodt

"Frau Hartbrodt, unter deren Dache dieses Werk zustandekam. Berlin, den 14. Juni 1934 Dr. Erich Gredinger"

Seit 2017 konnten drei Bücher aus dem Besitz der Familie Hartbrodt zurückgegeben werden. Die Bände wurden auf Wunsch der Erben der Stiftung Neue Synagoge - Centrum Judaicum in Berlin übergeben.

Die enthaltenen Spuren konnten eindeutig der Familie Hartbrodt zugeordnet werden. Bei dem einer Frau Hartbrodt gewidmeten Buch bleibt allerdings unklar, welchem konkreten Familienmitglied es zuletzt gehörte. Die zwei weiteren Bücher gehörten Erich Lutz Hartbrodt. 

Erich Lutz Hartbrodt wurde am 21. Juli 1924 in Berlin geboren. Sein Vater war der am 25. Juli 1883 in Briesen geborene Kaufmann Alfred Hartbrodt, seine Mutter die am 25. Dezember in Berlin geborene Marga Hartbrodt geb. Bendit. Beide hatten am 25. Oktober 1923 in Berlin geheiratet. Erich hatte eine jüngere Schwester, die am 17. Dezember 1926 in Berlin geborene Ilse Hanna Hartbrodt.

Die Familie Hartbrodt war im nationalsozialistischen Deutschland als jüdisch verfolgt. Alfred Hartbrodt verstarb in Berlin am 5. September 1935. Erich Hartbrodt gelang 1939 mithilfe des Inter-Aid Committee über einen Kindertransport die Flucht nach England. Dort kam er zunächst in Leeds unter, wo er eine technische Schule des ORT (Organisation – Rehabilitation – Training, heute World ORT (Organisation – Reconstruction – Training)) besuchte. Die Berlin-Leeds ORT School war ursprünglich 1937 in Berlin gegründet worden, um jüdischen Jungen, die aufgrund der antisemitischen Gesetzgebung in Deutschland sonst vom Schulbesuch ausgeschlossen waren, eine technische Ausbildung zu ermöglichen.

Marga Hartbrodt geb. Bendit war als Zwangsarbeiterin bei der Deutsche Waffen- und Munitionsfabriken A. G. (DWM) in Berlin-Borsigwalde beschäftigt. Am 14. November 1941 wurden sie und ihre Tochter Ilse ab Berlin in das Ghetto Minsk deportiert und ermordet. Genaue Todesdaten sind nicht bekannt.

Erich Lutz Hartbrodt überlebte die Shoah im Exil in England. Seinen Vornamen änderte er in Eric. Er lebte bis zu seinem Tod am 8. November 1962 in England.

Das Buch von Frau Hartbrodt stammt aus dem von der Berliner Stadtbibliothek (BStB) 1943 getätigten Ankauf von Büchern der deportierten Berliner Juden. Die Bücher von Erich Lutz Hartbrodt wurden 1945 als "Geschenke" erfasst. Der im Zugangsbuch angegebene Lieferant „Kulturamt“ steht vermutlich in Verbindung mit dem Berliner Magistrat. Diese Lieferantenbezeichnung wurde allerdings nach Kriegsende 1945 auch nachweislich für die Bücher aus den letzten Wohnungen der Berliner Jüdinnen und Juden verwendet, welche die BStB bereits 1943 von der Städtischen Pfandleihanstalt Berlin angekauft hatte.

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