Saint-Jean de Jérusalem, Nancy
Bei der systematischen Überprüfung der Bibliotheksbestände nach NS-verfolgungsbedingt entzogenem und kriegsbedingt verbrachten Raubgut konnten für eine französische Bibel mit Neuem und Altem Testament aus dem Jahre 1827 die Vorbesitzer ermittelt werden.
Durch die Zusammenarbeit mit der französischen "Kommission für die Restitution von Kulturgütern und die Entschädigung der Opfer antisemitischer Enteignungen" (Commission pour la restitution des biens et l`indemnisation des victimes de spoilations antisémites, CIVS) ließ sich als Eigentümer die Loge Saint-Jean de Jérusalem in Nancy, Frankreich, ermitteln.
Das Buch wurde kurz nach Kriegsende von der Bergungsstelle für wissenschaftliche Bibliotheken an die Berliner Stadtbibliothek abgegeben. Es stammt aus dem Bergungsauftrag Nr. 161 „Bücherbestände im Margarinebunker“, einer Sammel- und Sortierstelle des Bezirks Wilmersdorf. Nach heutigem Wissenstand ist davon auszugehen, dass das Buch für die geplante „Gegnerbibliothek“ des Reichssicherheitshauptamtes (RSHA) gedacht war und in diesem Zusammenhang von Nancy nach Berlin überführt wurde.
Am 20. November 2021 konnte die Bibel in der Französischen Botschaft in Berlin in einem feierlichen Akt an Vertreter*innen der Loge Saint-Jean de Jérusalem übergeben werden.