Julius Hellmann

Julius Hellmann um 1930. Portraitphoto aus: Reichshandbuch der Deutschen Gesellschaft. Das Handbuch der Persönlichkeiten in Wort und Bild. Band 1 (A-K). Berlin, 1930. Fotograf*in unbekannt.

2026 konnten 37 Bücher und sieben lose Exlibris aus der Bibliothek von Julius Hellmann zurückgegeben werden. Die Restitution erfolgte gemeinsam mit der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB), die ihrerseits sechs weitere Bücher zurückgeben konnte.

Die Bücher stammen zum größten Teil nachweislich aus einem Ankauf der Berliner Stadtbibliothek (BStB) von 1951, im Zugangsbuch subsumiert als „Eine beschlagnahmte Bibliothek“ mit einem Umfang von 1.028 Titeln. Lieferant ist der Magistrat, Abteilung Finanzen, bzw. dessen Verwaltungsstelle für Sondervermögen, in den Zugangsbüchern der BStB teilweise unter der Bezeichnung „Verwertungsstelle“. Nähere Nachforschungen zu diesem Zugang stehen noch aus – im Zuge der Bearbeitung der o.g. Bücher hat sich herausgestellt, dass die BStB noch bis mindestens in das Jahr 1953 hinein Hunderte weitere Bücher von diesem Lieferanten eingearbeitet hat.

Ein Buch wurde über die Zentralstelle für wissenschaftliche Altbestände (Staatsbibliothek zu Berlin) beschafft. Weitere Bände fanden sich in unbearbeiteten Depotbeständen der BStB. Die losen Exlibris stammen aus der Exlibris-Sammlung der BStB.

Über die Bildsprache des in allen Büchern enthaltenen Exlibris, die Thematik der Bücher und die persönlichen Verbindungen zu Widmungsgebern und Vorbesitzern konnte der Bankier Julius Hellmann eindeutig als Voreigentümer identifiziert werden.

Julius Hellmann wurde am 22. Dezember 1877 in Freiburg im Breisgau geboren. Seine Eltern waren der Kaufmann Ludwig Hellmann (1852–1929) und Johanna Hellmann, geb. Wertheimer (1856–1897). Nach einer kaufmännischen Lehre in Stuttgart arbeitete er einige Jahre im Baumwollwarengeschäft seines Vaters, bis er 1902 ins Bankgeschäft in Frankfurt am Main einstieg. 1904 wechselte er nach Berlin, wo er 1908 Direktor der neugegründeten Deutschen Kolonialbank wurde. Zudem wurde er in Berlin in mehrere Aufsichtsräte berufen, u.a. war er der letzte Vorsitzende der Deutschen Kolonialgesellschaft für Südwest-Afrika bis zu deren Auflösung 1915. Nach Ende des Ersten Weltkrieges wandelte er die Deutsche Kolonialbank in die Deutsche Länderbank um und blieb dort noch einige Jahre tätig. Nach Beendigung seiner Bankierslaufbahn wurde Hellmann in Berlin Generalkonsul für Griechenland.

Julius Hellman war in dieser Zeit zweimal verheiratet. Zunächst mit der aus Nürnberg stammenden Gretel Ullmann (1887–1984), mit der er zwei Kinder bekam: 1909 den Sohn Franz, 1912 die Tochter Johanna. Die Ehe wurde 1917 geschieden. Hellmann heiratete im gleichen Jahr die am 22. Dezember 1892 in Hamburg geborene Katharina Schwarz. Die beiden hatten einen Sohn, den am 18. Juni 1919 geborenen Rudolf Hermann. Die Ehe mit Katharina wurde 1925 geschieden.

Julius Hellmann war im nationalsozialistischen Deutschland als jüdisch verfolgt. Anfang 1936 wurde durch das Versteigerungshaus „Union“ Leo Spik in Hellmanns Wohnung in der Stülerstr. 141 nachweislich die Wohnungseinrichtung versteigert, jedoch finden sich in der Liste der Versteigerungsobjekte keine Bibliothek, keine Bücher. Der genaue Entzugsmoment der Bibliothek ist weiter ungeklärt.

Im September 1936 emigrierte Julius Hellmann zunächst nach Südafrika, ein gutes Jahr später, 1937, kehrte er kurzzeitig nach Berlin zurück und floh im Januar 1938 in die Niederlande. Er lebte dort an verschiedenen Orten: Amsterdam, Den Haag und Hilversum. Ab 1942 ging er in den Untergrund und überlebte, von der niederländischen Widerstandsbewegung an verschiedenen Orten in Amsterdam und Amstelveen versteckt, die Shoah. 1948 zog er nach New York, wurde US-amerikanischer Staatsbürger und lebte dort bis zu seinem Tode 1956.

In einigen Büchern finden sich auch Provenienzmerkmale des Berliner Verlegers Eduard Buchmann (1876–19??) und von dessen Schwiegervater, dem Journalisten Victor Schweinburg (1846–1914). Die Exlibris von Buchmann sind teilweise mit dem von Julius Hellmann überklebt. Eduard Buchmann war Herausgeber von der Wochenschrift „Kolonie und Heimat in Wort und Bild“ und betrieb den „Verlag kolonialpolitischer Zeitschriften Eduard Buchmann“2.  Es ist davon auszugehen, dass Hellmann und Buchmann sich kannten, möglicherweise hat Hellmann Bücher aus Buchmanns Bibliothek übernommen. In jedem Fall handelt es sich aufgrund des einheitlichen Zugangswegs über die „Verwertungsstelle“ eindeutig um Voreigentum vor Julius Hellmann.

Unterstützung bei der Recherche erhielt die ZLB dankenswerterweise von Annelies Kool (Rijksdienst voor het Cultureel Erfgoed, Niederlande) und Anna Rubin (Holocaust Claims Processing Office, USA).


Heute Lichtensteinallee Ecke Thomas-Dehler-Straße, das Gebäude wurde um 1937 abgerissen und existiert nicht mehr. An seiner Stelle wurde von 1938 bis 1940 ein Neubau für das franquistische Spanien errichtet, in dem sich heute die Botschaft von Spanien befindet. Die damalige Stülerstraße wurde ebenfalls 1938 zu einer Verlängerung der Tiergartenstraße, die nahegelegene Hitzigstraße wurde ihrerseits in Stülerstraße umbenannt. 1975 wurde die ursprüngliche Stülerstraße schließlich in Thomas-Dehler-Straße umbenannt. Vgl. HistoMap Berlin (https://histomapberlin.de) und Kauperts. Straßenführer durch Berlin: Stülerstraße (online: https://berlin.kauperts.de/Strassen/Stuelerstrasse-10787-Berlin, letzter Zugriff: 7. Juli 2026)
Vgl. Kolonie und Heimat in Wort und Bild. Organ des Deutschkolonialen Frauenbundes. I. Jahrgang. (Deutsches Historisches Museum, Inv.-Nr.: GZA 7523 -1.1907/08, online: https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/item/RZ5D2PWXSHK2INBLW4BSXROZAB4YKTBV, letzter Zugriff: 7. Juli 2026)

Weiterführende Informationen

  • Entschädigungsamt Berlin. Reg.Nr. 68.301. Julius Hellmann
  • Entschädigungsamt Berlin. Reg.Nr. 262.328. Franz Hellmann
  • Entschädigungsamt Berlin. Reg.Nr. 309.150. Rudolf Hellmann
  • Landesarchiv Berlin. A Rep. 243-04 Nr. 65 (Versteigerungshaus „Union“ Leo Spik vom 26./27.2.1936: Versteigerungsauftrag Generalkonsul Julius Hellmann)
  • Landesarchiv Berlin. A Rep. 243-04 Nr. 37 (Versteigerung vom 22./23.4.1936, Versteigerungsaufträge, u.a. Julius Hellmann)
  • Nationaal Archief, Den Haag. Nederlandse Beheersinstituut (NBI), 1945-1968; 2.09.16.06 Inventaris van het archief van het Nederlands Beheersinstituut, beheersdossiers beginnend met de letter H: Nr. 88119: J. Hellmann
  • The National Archives, Kew: Naturalisation Certificate: Rudolf Hermann Hellmann. Certificate AZ22498 issued 28 January 1947.
  • Reichshandbuch der Deutschen Gesellschaft: Das Handbuch der Persönlichkeiten in Wort und Bild. (Erster Band : A-K). Berlin, 1930, S. 707

Die restituierten Objekte auf lootedculturalassets.de