Richard Labisch

Exlibris für Richard Labisch von E. M. Lilien

Richard Labisch wurde am 29. November 1869 in Berlin als Sohn von Simon Labisch und Flora Labisch geb. Berg geboren. Er hatte drei Halbgeschwister, die alle in Samter zur Welt kamen; die am 6. April 1861 geborene Regina, die am 30. Juli 1862 geborene Recha, und den am 30. Juli 1863 geborenen Siegmund.

Richard Labisch war Kaufmann und Geschäftsführer der Druckerei Richard Labisch & Co., Graphische Kunstanstalt G.m.b.H., siehe auch die Bildsprache des von Ephraim Moses Lilien gestalteten Exlibris. 1905 heiratete er in Berlin die am 15. September 1885 ebenda geborene Gertrud Placha. Das Paar hatte zwei Töchter; die am 2. Juni 1906 geborene Ruth und die am 23. Dezember 1908 geborene Eva. Beide Kinder wurden in Berlin geboren. Die Ehe zwischen Richard Labisch und Gertrud Labisch geb. Plachta wurde im März 1911 geschieden. Richard heiratete am 12. September desselben Jahres die am 13. Juni 1888 in Berlin geborene Betty Lewin.

Richards Bruder Siegmund Labisch wurde Fotograf und gründete 1895 mit Albert Zander (1864-1897) das Fotoatelier Zander & Labisch, das sich früh auf die Pressefotografie spezialisierte und im Kaiserreich und der Weimarer Republik zudem verstärkt in den Bereichen Industrie- und Architekturfotografie arbeitete.

Die Familie Labisch war im nationalsozialistischen Deutschland als jüdisch verfolgt. Sowohl Richard als auch Siegmund Labisch wurden aufgrund antisemitischer Gesetzgebung aus der Berufswelt gedrängt. Richard Labisch war 1938 zeitweise im KZ Sachsenhausen inhaftiert. Im gleichen Jahr zog Siegmund Labisch als Untermieter zu Richard und Betty Labisch in deren Wohnung in der Geisbergstraße 33 in Berlin-Schöneberg. Richard Labisch starb am 15. August 1942 in Berlin, die Umstände seines Todes sind noch unklar. Siegmund Labisch wurde am 14. September 1942 ins KZ Theresienstadt deportiert und dort am 7. Dezember desselben Jahres ermordet. Betty Labisch wurde am 29. Januar 1943 ab Berlin ins Vernichtungslager Auschwitz deportiert und ermordet. ein genaues Todesdatum ist nicht bekannt.

Regina Labisch hatte den aus Moschin stammenden Kaufmann Simon Loewy (1860-??) geheiratet. Die gemeinsame Tochter Lilli wurde am 5. Oktober 1888 in Moschin geboren. Sie war später Buchhalterin und heiratete 1914 in Berlin den Tierarzt Berthold Jacobi (1878-1917). Regina Loewy geb. Labisch und Lilli Jacobi geb. Loewy wurden beide in das KZ Theresienstadt deportiert und dort ermordet, Regina am 4. Oktober 1942, Lilli am 23. März 1943.

Recha Labisch heiratete den aus Berlin stammenden Kaufmann Paul Philipp (1859-1906). Das Paar hatte einen gemeinsamen Sohn, den am 10. November 1890 in Berlin geborenen Herbert Philipp, der Anwalt wurde und 1934 in Berlin verstarb. Recha Philipp geb. Labisch wurde wie ihr Bruder, ihre Schwester und ihre Nichte in das KZ Theresienstadt deportiert und dort am 31. Oktober 1942 ermordet.

Richards Tochter Ruth Labisch hatte 1928 in Berlin den am 20. August 1900 ebenda geborenen Kaufmann Hans Liepmann geheiratet. Das Paar hatte eine gemeinsame Tochter, die am 7. November 1929 in Berlin geborene Ellen. Ellen, Hans und Ruth Liepmann gelang ca. 1939 die Flucht aus Deutschland, zunächst nach England und schließlich in die USA, wo sie ihren Nachnamen in Leepman änderten. Auch Eva Labisch konnte rechtzeitig flüchten. Sie emigrierte zunächst ins britische Mandatsgebiet Palästina und später, 1947, ebenfalls in die Vereinigten Staaten. Ruth Leepman geb. Labisch starb 1995, ihre Schwester Eva Labisch folgte ihr 1997.

Die zu Richard Labisch ermittelten Provenienzmerkmale und Objekte sind hier in der Kooperativen Provenienzdatenbank Looted Cultural Assets verzeichnet.

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