Margarete Baer (geb. Raczinski)
Margarete Raczinski wurde am 25. September 1881 als Tochter des Ehepaars David (1838–1911) und Olga Raczinski geb. Katz (1850–1927) in Gilgenburg, Ostpreußen (heute Dąbrówno, Polen) geboren. Margarete hatte sechs Geschwister: Heinrich (1874–1918), Julius (1876–1950), Luise (1878–1943), Anna (1880–1942), Emma (1884–????) und Paula Raczinski (1887–????), die ebenfalls alle in Gilgenburg, Ostpreußen geboren wurden.
Die Familie Raczinski war im nationalsozialistischen Deutschland als jüdisch verfolgt.
Margarete Raczinski heiratete am 25. Januar 1906 den Kaufmann Siegismund Salomon (1879–1942), von dem sie sich am 23. Dezember 1909 scheiden ließ.
Etwa ein halbes Jahr später am 16. Juni 1910 heiratete sie Karl Goldstein (1881-1939), ebenfalls Kaufmann. Dieser verstarb am 04. Mai 1939 im Alter von 58 Jahren im Jüdischen Krankenhaus Berlin.
Am 18. März 1940 heiratete Margarete Raczinski den Schuhmacher Abraham Baer (1868-1942).
Margarete und Abraham Baer wurden am 01.11.1941 mit dem „4. Osttransport“ in das Ghetto Litzmannstadt (Lodz) und anschließend am 09. Mai 1942 in das Vernichtungslager Kulmhof (Chelmno) deportiert und dort ermordet.
Soweit bekannt, hatte Margarete Raczinski keine Kinder.
Margaretes Bruder Heinrich Raczinski heiratete am 11.12.1909 Anna Agathe Hedwig Besener (1877–1954). Er fiel am 20.09.1918 nahe Damaskus im Ersten Weltkrieg und wurde gemeinsam mit vier weiteren Soldaten auf dem deutschen Soldatenfriedhof in Nazareth (heute Israel) begraben.
Julius Raczinski, Margaretes Bruder, bekam 1915 einen Sohn Rolf Raczinski (1915–1971) mit Margarethe Wittrin (1895–nach 1961), die er anschließend am 30.09.1916 heiratete. 1919 wurde ihr zweiter Sohn Heinz Günther Raczinski (1919–1947) geboren. Das Paar und beide Söhne überlebten die Shoah. Heinz Günther Raczinski verstarb 1947 in seiner Wohnung in Berlin-Weißensee, an einer Kohlenoxidgasvergiftung, er war zu diesem Zeitpunkt nicht verheiratet und hatte keine Kinder.
Margaretes Schwester Luise Raczinski heiratete am 21.03.1902 den Kaufmann/späteren Komponist und Kapellmeister Valentin „Falk“ Pinner. Dieser war auch unter dem Künstlernamen „Harry Waldau“ bekannt. 1906 bekam das Ehepaar Pinner einen Sohn, der tot zur Welt kam oder gleich nach der Geburt starb, er erhielt keinen Vornamen. Valentin Pinner wurde am 02.03.1943 und Luise Pinner am 04.03.1943 in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert und dort noch im gleichen Monat ermordet. Für Valentin Pinner wurde am 17.05.2017 ein Stolperstein vor der Xanthener Straße 6 in Berlin verlegt.
Anna Raczinski, Margaretes Schwester, heiratete am 24.03.1904 den Prokurist Albert Delbanco. Zwischen 1939 und 1942 versuchten die beiden in die USA zu emigrieren. Angesichts ihrer bevorstehenden Deportation beging das Ehepaar Delbanco am 30.09.1942 Selbstmord. Sie wurden auf dem Jüdischen Friedhof in Weißensee bestattet. Im Testament von Anna und Albert Delbanco vom 26.05.1942 sind keine Kinder genannt.
Margarete Schwester Emma Raczinski heiratete am 25.03.1909 den Kaufmann Georg Jechil Laser (1882–1945). Dieser verstarb am 09.05.1945 an einem Herzinfarkt in seiner Wohnung in Berlin (dies meldete eine Kollegin dem Standesamt). Aussagen der Verwandten in den Wiedergutmachungsakten zu Anna und Albert Delbanco zufolge emigrierte Emma Laser mit ihrem Sohn Egon Laser, zu unbekanntem Zeitpunkt, nach Kapstadt, Südafrika und überlebte so die Shoah. Dort verliert sich ihre Spur.
Paula Raczinski, Margaretes jüngste Schwester, heiratete am 14.06.1911 den Regisseur Botho Karl Ludwig Deike (1887–1951). Später im gleichen Jahr (1911) emigrierten die beiden über Liverpool, England und Quebec, Kanada in die USA. Sie änderten ihre Namen in Botho Deike Johnson und Paula Deike Johnson. Am 21.09.1941 heiratete Botho erneut. Paulas weiteres Schicksal ist unbekannt.
Nachweislich überlebte von den 7 Raczinski Geschwistern nur Julius Raczinski die Shoah. Heinrich Raczinski starb bereits 1918 im Ersten Weltkrieg. Emma Laser und Paula Deike emigrierten, ihr weiteres Schicksal ist ungeklärt. Luise Pinner, Anna Delbanco und Margarete Baer selbst wurden Opfer der Shoah.
Näheres ist uns zu möglichen Erben von Margarete Raczinski bisher nicht bekannt.
Die zu Margarete Raczinski ermittelten Provenienzmerkmale und Objekte sind hier in der Kooperativen Provenienzdatenbank Looted Cultural Assets verzeichnet.
Sollten Sie Informationen haben, die bei der Rückgabe hilfreich sein könnten, bitten wir um Kontaktaufnahme.
Text & Recherche: Johanna Steinhaeuser
Quellen:
- Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf, [2017]. Stolpersteine Xantener Straße 6. Berlin: Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf (online: https://www.berlin.de/ba-charlottenburg-wilmersdorf/ueber-den-bezirk/geschichte/stolpersteine/artikel.595680.php, Zugriff: 18.02.2026)
- Brandenburgisches Landeshauptarchiv: 36A (II) 1474 Baer, Abraham (online: https://blha-recherche.brandenburg.de/de/#/details?selectedId=1976128, Zugriff: 18.02.2026)
- Brandenburgisches Landeshauptarchiv: 36A (II) 7160, Delbanco, Anna (online: https://blha-recherche.brandenburg.de/de/#/details?selectedId=1981810, Zugriff: 18.02.2026)
- Brandenburgisches Landeshauptarchiv: 36A (II) 29817, Pinner, Louise (online: https://blha-recherche.brandenburg.de/de/#/details?selectedId=2004426, Zugriff: 18.02.2026)
- Brandenburgisches Landeshauptarchiv: 36A (II) 29817, Pinner, Valentin (online: https://blha-recherche.brandenburg.de/de/#/details?selectedId=2004435, Zugriff: 18.02.2026)
- Freie Universität Berlin. Zentralinstitut für Sozialwissenschaftliche Forschung (Hrsg.): Gedenkbuch Berlins der jüdischen Opfer der Nationalsozialismus: „Ihre Namen mögen nie vergessen werden“. Berlin: Hentrich, 1995.
- Landesarchiv Berlin: B Rep. 025-06 Nr. 1041/65; B Rep. 025-07 Nr. 1443/50; B Rep. 025-07 Nr. 1449/50; B Rep. 025-07 Nr. 1450/50; B Rep. 025-07 Nr. 1452/50
- Mapping the Lives: Margarete Goldstein, geborene Raczinski (online: https://www.mappingthelives.org/bio/fbe07189-d4a7-4167-a3d7-507523637b22, Zugriff: 18.02.2026)
- Stiftung Topographie des Terrors (Hrsg.): Berliner Juden im Getto Litzmannstadt 1941-1944 : Ein Gedenkbuch. Berlin: Stiftung Topographie des Terrors, 2009
- Wikipedia: Harry Waldau (online: https://de.wikipedia.org/wiki/Harry_Waldau, Zugriff: 18.02.2026)